Konflikte lösen durch Gewaltfreie Kommunikation (GFK)

Wie schaffst du es, in einem Gespräch folgendes zu erreichen:

  • Der Gesprächspartner fühlt sich wohl
  • Du wirst gesehen und verstanden
  • Du erhältst Unterstützung
  • Du kannst Deine Wünsche durchsetzen
  • Du äußerst Kritik, ohne zu verletzen
  • Du löst Konflikte
  • Beide Gesprächspartner gehen mit einem positiven Gefühl aus dem Gespräch
Partner Konflikte lösen

Jeder war schon einmal in der Situation, in der sich ein Gespräch im Kreis dreht. Wo es keine neuen Lösungen gibt, in dem sich keiner wirklich verstanden fühlt. Egal, ob in einer Teamsitzung, mit dem Partner oder der Familie jeder möchte gerne positive und konstruktive Gespräche führen.

A: „Immer lässt du das Geschirr stehen, ich bin nicht deine Putzfrau. Du kannst deine Sachen selbst wegräumen!“

B: „Ich räum das schon noch weg. Ich habe nie gesagt, du sollst das für mich machen! Ich fühle mich angegriffen, wenn du so mit mir sprichst!“

A: „Ich möchte, dass du deine Sachen jetzt wegspülst, weil ich den Tisch nutzen möchte.“

B: „Du brauchst nicht den ganzen Tisch! Ich kann die Sachen hierrüber stellen. Ich möchte selbst entscheiden, wann ich was mache…und jetzt möchte ich Zeitung lesen!“

 

Mit dem Ergebnis sind beide wenig zufrieden. Woran liegt es, dass manche Gespräche so verlaufen, wo wir doch scheinbar sehr deutlich formulieren, was wir brauchen?

Das Problem liegt darin, dass uns oft nicht bewusst ist, welches tiefliegende Bedürfnis in diesem Moment nicht erfüllt ist. In der Situation scheint uns das Geschirr zu stören und wir hängen uns an dieser einen Sache auf und versteifen uns darauf, dass sich der Konflikt und das Unwohlsein auflöst, wenn das Geschirr gespült ist.

A: „Wenn ich sehe, dass das Geschirr vom Frühstück auf dem Tisch steht, den ich gerne benutzen möchte, ärgere ich mich. Ich habe den Wunsch nach Erholung und Komfort. Wenn ich das dreckige Geschirr sehe, kann ich mich nicht erholen und mein Bedürfnis nach Komfort ist nicht erfüllt. Kannst du bitte das Geschirr gleich nachdem du fertig gegessen hast abspülen?“

B: „Ich möchte erst entspannen nach dem Essen. Ich kann das Geschirr wegstellen und nachher abspülen.“

A: „Du möchtest dich nach dem Essen erst einmal ausruhen und den Abwasch später erledigen?“

B: „Ja, ich möchte jetzt erst ein bisschen die Zeitung lesen.“

A: „Okay, du möchtest entspannen und die Zeitung lesen und danach bist du bereit den Abwasch machen.“

B: „Ja.“

A: „Ich möchte auch, dass du dich entspannen kannst. Gleichzeitig ist es mir wichtig, dass auch ich entspannen kann. Es fällt mir sehr schwer zu entspannen, wenn ich das Geschirr hier sehe. Hast du eine Idee wie wir das lösen können?“

B: „Mhm…Ich kann das Geschirr in die Spüle stellen, dann musst du es nicht sehen.“

A: „Gut und wenn du mit deiner Zeitung fertig bist, spülst du es ab?“

B: „Ja.“

 

Wenn wir das Gefühl haben der Gesprächspartner hört uns emphatisch zu und möchte das Beste für uns, sind wir viel eher bereit seine Bedürfnisse zu erfüllen. Umgekehrt ist auch der Partner eher bereit unsere Bedürfnisse zu erfüllen, wenn er Empathie bekommt und sich verstanden fühlt.

 

Einfache Schritte für eine bessere Kommunikation in Konfliktsituationen:

  1. Objektive Beobachtung
  2. Gefühle wahrnehmen und benennen
  3. Die eigenen Bedürfnisse formulieren
  4. Empathie für den anderen entwickeln
  5. Bedürfnisse des anderen sehen
  6. Strategien entwickeln
  1. Objektive Beobachtung

Was tut oder sagt die andere Person?

Ohne dass es uns bewusst ist, haben wir Denkweisen und Muster, die einer guten Kommunikation im Wege stehen. Daher ist es wichtig, möglichst objektiv zu benennen was passiert.

 

  1. Gefühle

Oft nutzen wir die Worte: „ich fühle…“ ohne ein echtes Gefühl auszudrücken.

„Ich fühle mich betrogen“ – Betrogen ist kein Gefühl, sondern, das was wir über den anderen denken. Betrug ist eine Bewertung.

„Ich fühle mich ignoriert von dir“ – es handelt sich um eine Einschätzung, dass du mich ignorierst. Ignoriert ist kein Gefühl.

„Ich fühle mich zurückgewiesen“ – dies ist eine Unterstellung.

Diese Pseudogefühle verhindern in einem Gespräch die tatsächliche Auseinandersetzung mit den eigenen Gefühlen.  Außerdem führen Schuldzuweisungen bei dem Gesprächspartner zu einer Abwehrhaltung. Der andere ist nicht mehr offen für deine Wünsche und Gefühle, da er damit beschäftigt ist sich zu erklären oder zu rechtfertigen.

Echte Gefühle sind zum Beispiel: Frustration, Ärger, Trauer, Einsamkeit…

  1. Die eigene Bedürfnisse

Oft verbinden wir mit dem Wort Bedürfnis die Bedürftigkeit, welche einen negativen Aspekt hat. Leider gibt es kein passenderes Wort, um zu beschreiben, was hinter unseren Gefühlen liegt. Bedürfnisse sind unabhängig von einer bestimmten Person, einem bestimmten Ort oder einer bestimmten Zeit.

Ein Bedürfnis ist also nicht: „dass du den Abwasch nach dem Frühstück erledigst.“ Das abwaschen des Geschirrs ist lediglich eine Strategie, um das Bedürfnis zu erfüllen. Es gibt beispielsweise Bedürfnisse nach Ordnung, Komfort oder Entspannung.

Wenn uns unsere eignen Bedürfnisse bewusst sind, ist es leichter offen zu sein für verschiedene Strategien, um unsere Bedürfnisse zu erfüllen.

 

  1. Empathie für den anderen

Bevor wir in einem Gespräch mit unseren eigenen Wünschen und Ideen ankommen, ist es wichtig, mit dem anderen in Kontakt zu treten. Damit meine ich, sich auf den anderen einzulassen: Ihm empathisch zuzuhören und seine Gefühle und Bedürfnisse wahrzunehmen.

Der andere fühlt sich besonders verstanden, wenn du ihm seine Bedürfnisse und Gefühle zurückspiegelst und nachfragst, ob du das richtig verstanden hast.
Das kann dir am Anfang etwas unnatürlich erscheinen, ist aber wichtig für das weitere Gespräch.

 

  1. Die Bedürfnisse des anderen

Manchmal wählen wir Strategien, um uns mitzuteilen, mit denen wir genau das Gegenteil erreichen. Entscheidend ist, welches Bedürfnis versucht sich der Mensch mit dieser ausgewählten Strategie zu erfüllen?

A: „Ich will nicht, dass du dich allein mit deiner Exfreundin triffst. Ich treffe mich auch nicht mit meinem Exfreund!“

B: „Könntest du aber, ich habe damit kein Problem.“

A: „Du respektierst meine Gefühle nicht, wenn du dich mit ihr triffst.“

Statt sich an der Verabredung mit der Exfreundin festzubeißen, wäre es hilfreich sich mit den eigenen Bedürfnissen und denen des Partners auseinander zu setzten.

A: „Ich brauche Verbundenheit und Sicherheit. Wenn du dich mit deiner Exfreundin alleine triffst, fühle ich mich unsicher.“

B: „Es tut mir leid, wenn es dir nicht gut geht. Ich möchte dir keine schlechten Gefühle machen, aber ich möchte die Freundschaft zu meiner Exfreundin nicht aufgeben.“

A: „Du möchtest, dass es mir gut geht, gleichzeitig möchtest du deine Freundschaft zu deiner Exfreundin pflegen und deine eigenen Entscheidungen treffen?“

B: Ja, ich will dich damit nicht verletzten, aber es ist mir wichtig, dass du mir nicht verbietest mit wem ich mich treffe.“

A: „Okay. Ich möchte dir die Freiheit geben eigne Entscheidungen zu treffen und ich möchte, dass du deine Freundschaften behalten kannst. Gleichzeitig möchte ich, dass ich die Sicherheit, dass ich die einzige bin, bei der du romantische Gefühle hast.

B: „Klar bist du die einzige. Ich habe dir doch schon so oft gesagt, dass ich keine Gefühle mehr für sie habe.“

A: „Ja da hast du recht, und manchmal ist es sicher frustrieren für dich, mir das immer wieder zu erklären. Um mich in unserer Beziehung sicher zu fühlen, brauche ich wohl mehr als dein Wort. Wäre es für dich möglich mir auf andere Weise Sicherheit zu geben?“

B: „Keine Ahnung.“

A: „Ich möchte, dass du deine Freundschaft zu deine Exfreundin behalten kannst. Gleichzeitig würde es mir sehr viel mehr Sicherheit geben, wenn ich weiß, dass ihr euch nicht allein trefft. Wäre es möglich, dass ihr mehr Unternehmungen in einer Gruppe macht oder dass ich mitkomme?“

  1. Strategien

An diesem Punkt sind wir bereits bei Strategien angelangt. Unternehmungen in einer Gruppe oder gemeinsame Aktivitäten, sind mögliche Strategien, um die Bedürfnisse beider Partner zu erfüllen.

Die Bedürfnisse nach Sicherheit und Freundschaft lassen sich sicher auch anders erfüllen.

Es ist wichtig, sich nicht von Anfang an auf eine Strategie zu versteifen, sondern die Bedürfnisse in den Blick zu nehmen und kreativ nach Lösungen zu suchen.

Dieses Kommunikationskonzept mit den sechs Schritten ist bekannt als „Giraffensprache“ oder auch als „Gewaltfreie Kommunikation“. Giraffensprache, weil Giraffen die Landtiere mit dem größten Herzen sind und unsere Kommunikation vom Herzen kommt.

Wenn dich das mehr interessiert, schau mal hier unter dem Link, findest du jede Menge Veranstaltungen zu dem Thema:

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